Donnerstag, 1. Juni 2023

Camino Francés – Etappe 25 Villafranca del Bierzo - Las Herrerías, 21km


Andrews Wecker geht um 5:45 Uhr. Da wir alleine im Zimmer sind, haben wir die Abmachung getroffen, dass er morgens das Licht anmachen kann und nicht im Dunkeln packen muss.


Ich bin auch wach und mache mich in dem einzigen Waschraum für Frauen fertig. 


Andrew ist sehr zuvorkommend, hilfsbereit und freundlich. Bereits beim Frühstück merke ich, dass ich ihn bis zum Ende meiner heutigen Etappe heute nicht loswerde, so abweisend und zurückhaltend ich auch zu sein versuche.


Nachdem ich dem Hospitalero Carlos noch eine nette „Dankeschön-Botschaft“ hinterlasse, verlasse ich die Herberge. 


Um 6:45 Uhr ziehe ich die Tür hinter mir zu  und Andrew guckt mich von der Straße aus an „your sticks?!“ - Mist! Schon wieder. 

Natürlich hat Andrew den Code für die Tür in seinem Handy (wo hat er den denn her?!), er öffnet die Tür. Gemeinsam gehen wir dann los. Er lenkt mich „here is the camino“ und sein ständiges „take care“ sind wirklich sehr fürsorglich, aber eigentlich bin ich schon groß.


Nach 10km, die sich beim smalltalk wie eine Stunde angefühlt haben, machen wir „roommates“ in einer Bar die erste Pause bei Kaffee und Orangensaft.


Laut Pilgerführer beginnt in Villafranca del Bierzo die Königsetappe - 

ab hier beginnt ein sanfter Aufstieg, der sich allmählich steigert und in den anstrengenden Steigungen zwischen Las Herrerías und morgen dann in La Faba gipfelt.


Mit Andrew ist der Weg kurzweilig und irgendwann kippt meine nicht so gute Stimmung; ich bin froh, dass er so beharrlich gewesen ist. Ich wäre eine andere Route gegangen, vielleicht sollte alles so sein; irgendwann keimt der Gedanke, dass ihn mir irgendjemand geschickt hat, damit ich meinen geplanten Weg nicht gehe. Andrew ist Priester. Mit ihm kann man gut reden. Wir lachen viel, schnaufen nebeneinander die Berge hoch und diskutieren über Religionen und Spiritualität.


Wie das so ist auf dem Camino, hat man mit einigen Menschen sofort den „deep dive“. Ich erzähle ihm von einem lieben Freund. Irgendwann kommen wir an einer kleinen, geöffneten Kirche vorbei. Wir gehen hinein, holen unsere Stempel ab und bleiben noch eine Weile. Andrew kommt nach mir raus und sagt, er hat für meinen Freund gebetet. Wow, danke dafür!


Wir teilen uns einen Burger und Pommes und kommen schon bald in Las Herrerías de Valcarce an. 

 

Der Ortsname bezieht sich auf die Eisenherstellung, die im Ort bis auf das 17. Jh. zurückreicht. Ein großes Gebäude ist zu besichtigen, in dem bis Anfang des 20. Jh. Eisen geschmolzen wurden. Am westlichen Ortsausgang befindet sich das Hospital Inglés (das Englische Pilgerhospiz) mit den Resten seiner Kirche und eines Pilgerfriedhofs.

 

In Las Herrerías, dem letzten Dorf vor O’Cebreiro, steht auch die Waschmaschine. Also DIE Waschmaschine vom Jakobsweg.  Sie steht einfach nur da. Direkt am Weg. Darum heißt sie auch die Soda-Waschmaschine. Und sie zaubert jedem Pilger ein Lächeln ins Gesicht, hundert- und tausendfach, Tag für Tag. Darum hat die Pilgerseite eine kleine Hommage an DIE Waschmaschine geschrieben: 

 

https://www.jakobsweg.de/waschmaschine-2/?utm_source=Jakobsweg&utm_campaign=1f9bff37d7-AUTOMATION+_alt_+Waschmashcine&utm_medium=email&utm_term=0_ff14d7969b-1f9bff37d7-135691257&mc_cid=1f9bff37d7&mc_eid=ad34cfd126














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